Der Natur-Vilm

Insel Vilm: Gänse, Kormorane und Silbermöven in friedlicher Koexistenz. Vorbild für den Nahen Osten und die Ukraine.

Insel Vilm mit Blick auf das Ufer des nahegelegenen Muglitzer Orts auf Rügen. Auf der Sandbank rasten Gänse, Kormorane und Silbermöven in friedlicher Koexistenz. Vorbild für den Nahen Osten und die Ukraine.

Der Vilm im Süden von Rügen, September 2014.
Der
 Vilm? Nein, kein Rechtschreibfehler. Das Erste, was uns Andreas Kuhfus bei seiner Führung über die Insel Vilm erklärt, ist die Herkunft des Namens aus dem slawischen ilumu, was in etwa Ulme bedeutet. Und: der Name wird mit dem Maskulinum verwendet. Also: der Vilm.

Der Waschstein ist Gegenstand von Sagen. So habe man am Stein Seejungfrauen gesehen. Außerdem habe ein Schwan hier jeweils Babys abgeholt, um sie vom Waschstein aus in die Häuser der umliegenden Dörfer zu bringen. Im Bild sind schwach die vorgelagerten Sandbänke zu sehen, die sich wellenartig zur Küste hin formieren.

Der Waschstein ist Gegenstand von Sagen. So habe man am Stein Seejungfrauen gesehen. Außerdem habe ein Schwan hier jeweils Babys abgeholt, um sie vom Waschstein aus in die Häuser der umliegenden Dörfer zu bringen.
Im Bild sind schwach die vorgelagerten Sandbänke zu sehen, die sich wellenartig zur Küste hin formieren.Mit Freunden sind wir auf dem Vilm unterwegs, zweieinhalb Kilometer von Lauterbach auf Rügen entfernt. Mit dem Schiff dauert die Überfahrt nur  eine Viertelstunde. Exkursionsleiter Andreas Kuhfus von der Reederei Lenz zeigt uns die Küstenabbruchstellen, die vorgelagerten Sandbänke und den Waschstein – ein aus dem Wasser ragender großer Findling in der Untiefe Schnakenwerder.

Um uns ist Urwald mit neuem Leben aus Altholz. Hier konnte sich die Natur seit Jahrhunderten regenerieren.

Um uns ist Urwald mit neuem Leben aus Altholz. Hier konnte sich die Natur seit Jahrhunderten regenerieren.

Auf dem Vilm im Rügischen Bodden konnte sich bis heute die Natur der südlichen Ostsee nahezu ungestört von menschlichem Einwirken entwickeln. Schon 1936 wurde sie unter Naturschutz gestellt. Die Insel ist gerade mal zweieinhalb Kilometer lang. Und sie „lebt”: Was Wellen und Wetter an den Kliffs und Sandriffen abtragen, spülen sie an anderen Stellen wieder an.

Bizarre Eichen bringen die Exkursionsteilnehmer dazu, ihre Kameras zu zücken.

Bizarre Eichen bringen die Exkursionsteilnehmer dazu, ihre Kameras zu zücken.

Wir streifen durch den Naturwald, dem seit Jahrhunderten kein Forstwirt mehr Nutzen abverlangt hat. Einige der riesigen

Buchen sind dreihundert Jahre alt. Vierhundert Jahre hat die Stieleiche auf der buckligen Rinde, um die sich Exkursionsteilnehmer scharen und ihre Kameras zücken.

Eines von elf Gebäuden auf der Insel Vilm. Wo sich früher 62 Staatsbedienstete um das Wohl der urlaubenden Mitglieder des DDR-Ministerrates kümmerten, sind heute 64 Angestellte im Dienst der Internationalen Naturschutzakademie mit Seminaren und Forschung befasst.

Eines von elf Gebäuden auf der Insel Vilm. Wo sich früher 62 Staatsbedienstete um das Wohl der urlaubenden Mitglieder des DDR-Ministerrates kümmerten, sind heute 64 Angestellte im Dienst der Internationalen Naturschutzakademie mit Seminaren und Forschung befasst.

Auf früheren Sandmagerwiesen  haben sich Schlehdorn, Weißdorn, Wildrosen, Wildbirne und Holzapfel angesiedelt. Um die 500 Arten von Farn- und Blütenpflanzen wachsen im Wald- und Grasland, Röhricht und Sumpf. Wir lernen, dass in den feuchten, kalkreichen Böden des Waldes Bärlauch zusammen mit Leberblümchen, Annemonen, Waldveilchen und Lerchensporn einen zauberhaften Blütenteppich bilden. Waldgeißblatt schlingt sich als Liane meterhoch in das Geäst der Bäume.

Auch Seeadler sind seit 1996 wieder heimisch auf dem Vilm. Mit einer Flügelspannweite von zweieinhalb Metern gleiten Sie über die Landschaft am Rügenschen Bodden.

Auch Seeadler sind seit 1996 wieder heimisch auf dem Vilm. Mit einer Flügelspannweite von zweieinhalb Metern gleiten Sie über die Landschaft am Rügenschen Bodden.

Seit 1996 gleiten wieder Seeadler mit ihrer Flügelspannweite von zweieinhalb Metern über das Eiland. Alte hohle Bäume bieten Brutplätze für Waldkauz und Gänsesänger. Brandgans und Uferschwalben haben Nisthöhlen im Steilufer angelegt. Im Boddengewässer fischen Graureiher und Kormorane.

Einen frühen Liebhaber hatte der Vilm mit Caspar David Friedrich (1774 bis 1840). Der Maler der Früh-Romantik schuf neben Werken über die rügensche Küstenlandschaft um 1810 herum das Bild Landschaft mit Regenbogen, das die Insel Vilm im Boddengewässer zeigt.

Das Adelsgeschlecht Putbus, als Besitzer der Insel Vilm erstmals 1249 erwähnt, wurde im Zuge der Bodenreform 1945 enteignet. 1959 wurde die Insel für den Besuchsverkehr gesperrt und als Urlaubsdomizil für hohe Staatsfunktionäre der DDR eingerichtet – mit elf Ferienhäuser im Stil einer Fischersiedlung. Seit der Wende werden die Gebäude ab 1990 von der Internationalen Naturschutzakademie genutzt. Während sich früher 62 Staatsbedienstete um das Wohl der privilegierten Politiker kümmerten, sind jetzt 64 Mitarbeiter damit befasst, im Naturschutz internationalen Erfahrungsaustausch, Forschung, Seminare und Tagungen zu organisieren.

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