Baustellenreport B 96n

22 Tonnen Erde wuchtet der Bagger auf den Hänger. Mit 200 PS unter der Haube bringt Torsten Dittberner die Menge von Rambin über die buckelige Baustellenpiste nach Samtens.

22 Tonnen Erde wuchtet der Bagger auf den Hänger. Mit 200 PS unter der Haube bringt Torsten Dittberner die Menge von Rambin über die buckelige Baustellenpiste nach Samtens.

Mehr als eine halbe Millionen Kubikmeter Erde werden für die B96n bewegt. Die 22 Tonnen auf dem Hänger schubsen und schütteln den Trecker auf der buckligen Baustellenpiste mächtig durch.

Mehr als eine halbe Millionen Kubikmeter Erde werden für die B96n bewegt. Die 22 Tonnen auf dem Hänger schubsen und schütteln den Trecker auf der buckligen Baustellenpiste mächtig durch.

Rambin/Samtens, Juli 2014. Früher fuhr er durch halb Europa mit dem LKW Strecken von 1.200 Kilometer. Zwölf Kilometer kurz ist heute seine Tour zwischen Rambin und Samtens. Torsten Dittberner (47) aus Dubkevitz, Gemeinde Ummanz, arbeitet als Traktorist auf der Baustelle für die neue Bundesstraße 96. Seine Aufgabe: Erde transportieren. Beladen hin, leer zurück, 17 Mal am Tag. Was der Bagger auf dem Acker in Rambin-Rothenkirchen auf den Hänger hinter seinem Trecker wuchtet, kippt er in Samtens wieder ab. Dort entsteht mit einem Damm in langer Schleife die Verbindung zur alten B96. Ende nächsten Jahres soll der Verkehr zwischen Altefähr und Samtens auf der neuen Strecke freigegeben werden.

Joachim Rascher vom staatlichen Projektmanagement-Unternehmen DEGES ist sicher, dass der ersta Bauabschnitt der B96n von der Rügenbrücke bis Samtens Ende 2015 fertig ist. Aber wie und wann es danach weitergeht mit dem zweiten Bauabschnitt bis Bergen und mit einer anschließenden Ortsumgehung der B196 für den Verkehr Richtung Bäderküste – dazu will derzeit niemand verbindliche Aussagen machen.

Joachim Rascher vom staatlichen Projektmanagement-Unternehmen DEGES ist sicher, dass der erste Bauabschnitt der B96n von der Rügenbrücke bis Samtens Ende 2015 fertig wird. Aber wie und wann es danach weitergeht mit dem zweiten Bauabschnitt bis Bergen und mit einer anschließenden Ortsumgehung der B196 für den Verkehr Richtung Bäderküste – dazu will derzeit niemand verbindliche Aussagen machen.

Die 22 Tonnen auf dem Hänger schubsen und schütteln den Trecker auf der buckligen Baustellenpiste mächtig durch. „Das hältst Du zwölf Stunden lang nur durch, wenn Dein ‚Bock’ erstklassig gefedert und super ausgestattet ist“, Torsten Dittberner klagt nicht über seinen Job: „Aber abends weißt Du, was Du getan hast.“ Dennoch sei alles viel besser als früher auf dem LKW: „Da war ich wochenlang unterwegs, habe kaum erlebt, wie meine Kinder groß geworden sind“. Jetzt ist er abends zu Hause bei seiner Familie, kann sich um seine kleine Landwirtschaft kümmern.

Ständig unterwegs auf der Strecke ist Schachtmeister Mike Schneider (Bildmitte) aus aus Torgau in Sachsen. Er hat das Sagen bei allem, was unter der späteren Asphaltschicht ausgeschachtet, aufgeschüttet, verdichtet, mit Kalk und Zement stabilisiert und zur Trasse geformt wird.

Ständig unterwegs auf der Strecke ist Schachtmeister Mike Schneider (Bildmitte) aus Torgau in Sachsen. Er hat das Sagen bei allem, was unter der späteren Asphaltschicht ausgeschachtet, aufgeschüttet, verdichtet, mit Kalk und Zement stabilisiert und zur Trasse geformt wird.

Mit Torsten Dittberner transportieren heute elf Kollegen auf ihren geländegängigen Gespannen gewaltige Erdmengen. „Mehr als eine halbe Millionen Kubikmeter werden es am Ende sein, wenn die Straße bis Samtens fertig ist“, hat Matthias Krüger (40), Bauingenieur aus Greifswald, überschlagen. Als Bauoberleiter ist er verantwortlich für den Streckenbau. In Spitzenzeiten sind mehr als 200 Arbeiter und um die hundert Baumaschinen und Transportfahrzeuge auf der gesamten Baustelle.

Baggerfahrer Detlef Meyer (47) beobachtet den Monitor. Der ist gefüttert mit einem Geländemodell, zeigt die GPS-Daten, nach denen er den Greifarm auf den Millimeter genau steuern kann und der Böschung die erforderliche Form gibt.

Baggerfahrer Detlef Meyer (47) beobachtet den Monitor. Der ist gefüttert mit einem Geländemodell, zeigt die GPS-Daten, nach denen er den Greifarm auf den Millimeter genau steuern kann und der Böschung die erforderliche Form gibt.

Wie das heutzutage beim Strecken- und Böschungsbau funktioniert? Das sehen wir bei zwei modernen Baggern. Sauber als kämen sie gerade aus der Waschstraße, verbauen die gelben Kraftpakete das Material zur Hangsicherung. Baggerfahrer Detlef Meyer (47) beobachtet vor sich zwei Monitore. Der eine, gefüttert mit einem Geländemodell, zeigt die GPS-Daten, nach denen er den Greifarm auf den Millimeter genau steuern kann und der Böschung die erforderliche Form gibt. „Der andere zeigt Dir über eine Kamera, was hinter dem Bagger geschieht“.

Straßenbau heiß, jede Menge Boden zu bewegen. Was nicht von der Trasse selbst abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgeschüttet wird, kommt aus der so genannten Seitenentnahme. Hier entsteht aus einem hügligen Acker eine ebene Fläche.

Straßenbau heißt, jede Menge Boden zu bewegen. Was nicht von der Trasse selbst abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgeschüttet wird, kommt aus der so genannten Seitenentnahme. Hier entsteht aus einem hügligen Acker eine ebene Fläche.

So wird die Trasse der B96n bei den Erdarbeiten mittels GPS präzise in Niveau und Gefälle von Baggern und Raupen vorbereitet. „Früher stand dem Baggerfahrer ein ‚Handmann‘ zur Seite“, erklärt Mike Schneider. Der habe mit Wasserwaage, Böschungslehre, Pfählen und Schnüren das Gelände für den Baggerfahrer abgesteckt.

Erst wird die Brücke gebaut, dann kommt der Straßenanschluss. Hier die Verbindungsbrücke von der alten Bundesstraße 96 zum Rambiner Ortsteil Kasselvitz.

Erst wird die Brücke gebaut, dann kommt der Straßenanschluss. Hier die Verbindungsbrücke von der alten Bundesstraße 96 zum Rambiner Ortsteil Kasselvitz.

In Rothenkirchen fressen sich Bagger für’s Grobe in einen hügeligen Acker. „Die Seitenentnahme Rambin“, erläutert Schachtmeister Schneider. Die nenne man so, weil die Mengen aus der Strecke nicht reichten, also von der Seite genommen würden. Mit dem Landwirt habe man verabredet, dass mit den Abgrabungen das leicht hügelige Gelände eingeebnet werde: „Später, wenn die Muttererde wieder aufgebracht ist, hat der Bauer einen ebenen Acker“.

Nicht alles lässt sich vorausplanen. So haben über Pfingsten Uferschwalben die Ruhe auf der „Seitenentnahme“ in Rothenkirchen genutzt und in eine Sandschicht der senkrechten Schachtwand ihre Höhlen gebaut. Zum Schutz der Schwalben musste dann dieser Bereich großräumig eingezäunt werden. „Erst, wenn im Herbst die Schwalben wieder abziehen“, weiß Mike Schneider, „können wir auch in diesem Teil weitermachen“.
Derweil schaufelt der Bagger für’s Grobe weitere 22 Tonnen Erdmaterial auf den Hänger von Treckerfahrer Torsten Dittberner für die nächste Fuhre nach Samtens.

2 Kommentare zu Baustellenreport B 96n

  1. Ben sagt:

    Ist vom Weiterbau in Richtung Bergen eigentlich schon etwas zu sehen?

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