Straße mit Geschichte: B 96

Die heutige B 96 beginnt in Sassnitz, dem Ort auf Rügen, an dem die längste Außenmole Deutschlands den Fischereihafen schützt. Oder die Bundesstraße endet hier, falls man die Strecke vom anderen Ende aus betrachtet, von Zittau aus also. Jedenfalls liegen zwischen beiden Orten 545 Kilometer Asphalt und Betonstrecke. In DDR-Zeiten war sie die längste Fernstraße. Foto: Wikimedia Commons.

Die heutige B 96 beginnt in Sassnitz, dem Ort auf Rügen, an dem die längste Außenmole Deutschlands den Fischereihafen schützt. Oder die Bundesstraße endet hier, falls man die Strecke vom anderen Ende aus betrachtet, von Zittau aus also. Jedenfalls liegen zwischen beiden Orten 545 Kilometer Asphalt und Betonstrecke. In DDR-Zeiten war sie die längste Fernstraße.
Foto: Wikimedia Commons.

Dezember 2015. Sie ist eine betagte Piste, die B 96. Eine Fernstraße mit Geschichte und Geschichten. Heute reicht sie von Sassnitz über Stralsund, Neubrandenburg, Berlin, den westlichen Spreewald, Bautzen bis nach Zittau im Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien. Von 1834 an ließ Großherzog Georg das Chausseenetz in seinem Herrschaftsbereich ausbauen, um so den Handel zu beflügeln. Es entstand eine Chaussee von Altentreptow über Neubrandenburg, Neustrelitz bis Dannenwalde. Das war die Keimzelle der heutigen Straße zwischen Ostsee und Sachsen. Hundert Jahre später wurde das Fernstraßen-System in der gesamten Weimarer Republik nummeriert. Die Strecke von der Ostsee bis nach Sachsen bekam die Nummer 96.

Dieses Zeichen hat viele auf Rügen bewegt – mit Hoffnung auf weniger Staus, mit Ärger über Baustellenhindernisse, mit Widerstand wegen der Inanspruchnahme von Landschaft.

Dieses Zeichen hat viele auf Rügen bewegt. In ihrer Geschichte trug die „96“ auch  Gesinnungs-botschaften.

Die vorangestellten Buchstaben waren auch Gesinnungsbotschaften der jeweils Mächtigen: Aus dem „neutralen“ FVS für Fernverkehrsstraßen in der Weimarer Republik wurde bei den Nationalsozialisten das R für (Deutsches) Reich hervorgehoben, so gab es während des „tausendjährigen Reichs“ die R 96. Während nach dem Zweiten Weltkrieg im Westen das B für Bundesstraße festgelegt wurde, konnte sich die DDR selbstredend damit nicht anfreunden. Sie gab der längsten Fernverkehrsstraße im Arbeiter- und Bauernstaat die Bezeichnung F 96.

1961, nach dem Mauerbau, musste sich die DDR etwas einfallen lassen: Die Umgehung der alten 96, die über West-Berliner Gebiet verlief. Heute heißt diese Strecke B 96 a. Im Osten von Berlin Berlin verläuft sie über eine Straße, die Adlergestell heißt. 1955 wurde hier die zweite Fahrbahn dem Verkehr übergeben. Foto: Wikimedia Commons.

1961, nach dem Mauerbau, musste sich die DDR etwas einfallen lassen: Die Umgehung der alten 96, die über West-Berliner Gebiet verlief. Heute heißt diese Strecke B 96 a. Im Osten von Berlin Berlin verläuft sie über eine Straße, die Adlergestell heißt. 1955 wurde hier die zweite Fahrbahn dem Verkehr übergeben.
Foto: Wikimedia Commons.

Eine Besonderheit musste man sich 1961 nach dem Mauerbau für Berlin einfallen lassen. Der alte Verlauf der 96 ging mitten durch West-Berlin. So machte zur DDR-Zeit die Straße einen großen Bogen über Ost-Berliner Gebiet und wurde aus dem Süden Berlins vorbei am Flughafen Schönefeld nach Norden geführt. Heute heißt diese Ost-Strecke B 96a.

Zwischen Greifswald und Stralsund führte während der DDR-Zeit die F 96, teils über Kopfsteinpflaster und durch enge Ortsdurchfahrten. Es wurde eine Parallelstrecke gebaut, die nach 1990 zeitweilig die Bezeichnung B 96a trug – so wie in Berlin –, was eigentlich nach den Richtlinien für die Straßenbenennung nicht hätte sein dürfen. Heute ersetzt die Autobahn 20 von Neubrandenburg bis zur Abfahrt Süderholz den Streckenverlauf der alten Fernstraße. Auf dem Rügenzubringer leuchten wieder die gelben Schilder B 96. Die 2007 fertiggestellte Strelasundquerung ist ein Brückenschlag der Superlative und führt direkt auf Rügens wichtigste Touristenstraße.

Dieser Herr, Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz, hatte sich 1834 die erste Teilstrecke der heutigen B 96 einfallen lassen und baute die Chaussee von Altentreptow nach Dannenwalde.

Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz hatte 1834 die erste Teilstrecke der heutigen B 96 anlegen lassen, die Chaussee von Altentreptow nach Dannenwalde. Foto: Wikimedia Commons.

Besonderheiten finden sich auch auf der Strecke nach Sachsen. Studenten der Universität Greifswald haben die „Burgen-, Turm- und Schlosstour“ kreiert und verbinden fünf Ausflugsziele mit der B 96 – darunter die Burgen Klemenow und Stargard. Weiter südlich, in Neubrandenburg, trifft die Straße geradewegs auf das Stargarder Tor und den Doppelringwall um die mittelalterliche  Stadtmauer. Wo einst die vom Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz gebaute „Urzelle“ der 96 endete, hat der Ort Dannenwalde 1977 in spektakulärer Weise von sich Reden gemacht: Die hier passierte Raketenkatastrophe war in eines der meist gehüteten Geheimnisse der DDR. Hunderte von Katjuscha-Raketen der Sowjetarmee sind damals in die Luft gegangen. Nähere Umstände und Opferzahl weiß man bis heute nicht genau. Es wird vermutet, dass es unter den Soldaten bis zu 300 Tote gegeben hatte.

Die heutige B 96 beginnt in Sassnitz, dem Ort auf Rügen, an dem die längste Außenmole Deutschlands den Fischereihafen schützt. Oder die Bundesstraße endet hier, falls man die Strecke vom anderen Ende aus betrachtet, von Zittau aus also. Jedenfalls liegen zwischen beiden Orten 545 Kilometer Asphalt und Betonstrecke. In DDR-Zeiten war sie die längste Fernstraße. Foto: Wikimedia Commons.

Die heutige B 96 beginnt in Sassnitz, dem Ort auf Rügen, an dem die längste Außenmole Deutschlands den Fischereihafen schützt. Oder die Bundesstraße endet hier, falls man die Strecke vom anderen Ende aus betrachtet, von Zittau aus also. Jedenfalls liegen zwischen beiden Orten 545 Kilometer Asphalt und Betonstrecke. In DDR-Zeiten war sie die längste Fernstraße.
Foto: Wikimedia Commons.

Nördlich von Berlin streift die B 96 Oranienburg, die alte Residenzstadt der Kurfürsten von Brandenburg. In der Regierungszeit von Friedrich III. entwickelte sich der Ort zur bedeutendsten Schloss-, Garten- und Stadtanlage in der Mark Brandenburg. Im Nordosten der Stadt erinnert die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen an das einstige KZ. Sächsische Bierkultur wird alljährlich im Juni beim Eibauer Bierzug gepflegt – am Rande B 96, die hier Hauptstraße heißt. Genau wie in Rambin, wo jüngst die einzige Bierbrauerei auf Rügen eröffnete. Nach 545 Kilometer Länge endet die B 96 auf der Strecke von Sassnitz nach Zittau.

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