Planen auf Teufel komm raus

Bergen auf Rügen, Dezember 2015. Marlies Preller ist Geschäftsführerin im Kreisverband Rügen des Naturschutzes Deutschland (NABU). Vor und während des Baus der B 96n hat sie sich immer wieder kritisch zu Wort gemeldet und gegen den Neubau einer Paralleltrasse zur alten Bundesstraße gekämpft. Der NABU und andere Umweltschützer wollten stattdessen den dreispurigen Ausbau der vorhandenen B 96. 2010 haben NABU und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen den Planfeststellungsbeschluss geklagt, die Klage aber 2012 zurückgezogen.

Ostsee-Zeitung: Wann haben Sie erstmals die Dimension der B 96n erkannt?

Marlies Preller: Das war schon um die Jahrtausendwende. Pläne für die neue Rügenbrücke lagen bereits auf dem Tisch, Motto: Erst mal mit diesem Bau Tatsachen schaffen, dann wird es schon irgendwie weitergehen. Unser Anliegen war von Anfang an, für die weiterführende Straße so wenig Landschaft wie möglich zu verbrauchen. Dabei haben sich viele mit uns verbündet, zum Beispiel die Bürgerinitiative RIO 96.

OZ: Wie sehen sie rückblickend die Entwicklung?

Preller: 2004 waren für die gesamte Strecke von Altefähr bis Bergen 68 Millionen Euro veranschlagt. Dann stiegen die Kosten Schritt für Schritt auf jetzt 155 Millionen Euro. 250 Alleebäume wurden vernichtet, dazu jede Menge Waldbäume. Die Tourismuszentrale will künftig mit der Natur auf Rügen werben. Das Erste was Ankömmlinge jetzt sehen ist die gigantische Verkehrsinfrastruktur.

OZ: Was hat der NABU bei der B 96n erreicht?

Preller: Da müssen wir uns gar nicht verstecken; in der Politik wird der Naturschutz heute viel ernster genommen. Die ursprüngliche Trassenführung zwischen Altefähr und Rambin war mitten durch die Agrarfläche mit der Brücke über die Bahn bei Scharpitz vorgesehen, für Landwirtschaft und Naturschutz eine Katastrophe. Bauern wären die Felder zerschnitten, Kranichen und Nordischen Gänsen die Nahrungsgrundlage genommen worden. Auf unsere Initiativen hin wurden die EU-Vogelschutzgebiete „Nordvorpommersche Boddenlandschaft/ Nördlicher Strelasund“ erweitert. Die Deges musste umplanen.

OZ: Dadurch dauerte alles länger. Was sagen Sie denen, die den NABU als Verhinderer darstellen?

Preller: Die etablierte Verkehrspolitik plant und baut auf Teufel komm raus. Wir sind dazu ein Korrektiv und wollen den Rüganern und unseren Gästen so viel Natur wie möglich erhalten. Viele kommen, um Natur zu erleben.

OZ: Für die Nordtrasse bis Bergen sollte erst 2020 Baubeginn sein, nun geht es bereits nächstes Jahr los. Ist der Kampf verloren?

Preller: Keine Sorge, da werden wir uns schon einbringen. Über die Dimensionen des Weiterbaus nach Bergen ist sich kaum einer im Klaren. Am Ende der Ausbaustrecke bei Kubbelkow soll ein gigantischer Verteiler gebaut werden, dagegen ist der in Samtens eine Miniaturausgabe. Also, zunächst werden wir am Dienstag zur Freigabe der Südtrasse die Kanzlerin auf unsere Weise begrüßen.

Interview: Frank Levermann

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